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Ein Altbau bleibt ein Altbau...

… und manchmal muss man das einfach hinnehmen.

Aber von Anfang an. Nachdem wir letztes Wochenende die Folie im Wohnzimmer verlegt hatten, verklebten wir Sonntag noch Estrichdämmstreifen. Die sorgen dafür, dass es keine Verbindung zwischen Estrich und Mauerwerk gibt, so dass sich der Trittschall nicht im ganzen Haus verbreitet:



Dienstag abend kam dann der Estrich. Wegen der kleinen Menge aber nicht bequem mit einem Pumpwagen angeliefert, sondern in Säcken. 40kg Säcke. 25kg wäre ja was für Mädchen… Glücklicherweise war Dienstag der wärmste Tag im Jahr. Bei 38 Grad im Schatten schleppt man doch total gerne Estrichsäcke 50m durch den Garten. Großer Applaus für Gunnar und Stefan, die tapfer alle 40 Säcke bis ans Haus trugen!



So sieht man danach übrigens aus:



Der Estrich wurde dann in einer Putzmaschine angerührt und ins Wohnzimmer gepumpt. Und das klappte tasächlich ohne unsere Wände zu versauen!



Dummerweise haben wir versäumt, die Fenster zu öffnen. Und das einzige offene Fenster mussten wir schließen (bzw. von außen zukleben), damit dort nicht die Katzen reinspringen. Da wir einen Tempo-Estrich benutzten, der schon nach 3 Stunden begehbar sein sollte, zog der ziemlich schnell an. Das führte dazu, dass sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit im Wohnzimmer bis ins Unerträgliche anstiegen. So war nicht mehr an ein Trocknen des Estrichs zu denken. Also öffneten wir das Fenster wieder. Mit einer Folie, die oben ca. 10 cm offen war, wollten wir verhindern, dass die Katzen hineinspringen. Natürlich dauerte es keine 2 Stunden bis wir das erste “MIAAAAAUUUUUUUU” aus dem Wohnzimmer hörten. Große Katze saß im frischen Estrich und kam nicht aus dem WOhnzimmer raus, da die Tür natürlich zugestellt war… wegen der Katzen…. Glücklicherweise war der Estrich aber schon einigermaßen angetrocknen, so dass nichts passiert ist. Nicht auszudenken, wenn die Katze in den flüssigen Estrich gesprungen wäre. Die hätte sich und das ganze Haus schön mit Estrich eingesaut…

Im Laufe der Woche merkte ich dann, dass ich mich beim Volumen des Hauses, das bei einer Blower Door Messung im Gerät angegeben wird, ganz fies verrechnet hatte. Ohne ins Detail zu gehen: Die beim letzten Mal gemessenen Wert waren allesamt ca. 0,4 zu gut. :oops: Beim allerersten Test wurde das Volumen aber mit einer Faustformel berechnet, die bei unserem Haus gar nicht passt, so dass dort das Ergebnis im Gegenzug viel schlechter war. Also zusammenfassend gesagt:

- Erste Messung war ca. 2,9 (statt 3,3)
- Nächste Messung war ca. 2,8 (statt 2,4)
- Messung ohne Wohnzimmer war ca. 2,1 (statt 1,6)

Hm. Nicht so gut. Umso spannender, ob das Beseitigen des Schwachstelle Wohnzimmer tatsächlich das gewünschte Ergebnis gebracht hat.

Donnerstag war der Estrich dann fest genug, dass wir an die Lüftungsanlage rankamen. Also konnte die abgeklebt werden, so dass wir einen Blower Door Test machen konnten. Mal wieder. Wir klebten alle anderen Lüftungsöffnungen noch ab und bauten das Gerät auf. Mal wieder. Ich war ziemlich nervös. Dann die Ernüchterung: 2,1. Mist. Es war wie verhext. Aber so langsam wurde uns klar, dass es nicht die eine große Schwachstelle gibt (wobei das Wohnzimmer ja schon eine Menge Luft verlor), sondern das Haus an sich einfach undicht ist. Unsere Undichtigkeit kommt aber nicht durch schlecht eingebaute Fenster oder schlechte Ausführung der einzelnen Gewerke, sondern ist einfach konstruktionsbedingt. Unsere Zwischendecken sind allesamt Holzbalkendecken. Und innerhalb dieser Holzbalkendecken, kann man davon ausgehen, dass das Mauerwerk unverputzt ist. Also kann die Luft sowohl durch die Deckenanschlüsse als auch durch den Boden in das Mauerwerk eindringen. Denn weder die Gipskartondecken noch die Böden sind luftdicht. Hat natürlich gar niemand dran gedacht. Auch im Luftdichtheitskonzept wurden die Zwischendecken vernachlässigt. Üblicherweis sind diese ja aus Beton und stellen daher keine Schwachstelle dar. Dadurch wurden sie einfach nicht betrachtet. :-(

Gut ist: Das wird sich in der Praxis quasi nicht bemerkbar machen. Dann man hat nunmal nicht solche künstlich simulierten Druckverhältnisse wie bei der Blowerdoor Messung. Und auch Wind kommt nicht ins Haus, da der Außenputz luftdicht ist. Außerdem ist das eine Sache, der man nur mit soviel Aufwand hätte begegnen können, dass es sich niemals gelohnt hätte, überall luftdicht zu machen. Aber das ändert nichts daran, dass wir nicht auf den geforderten Wert bei der Luftdichtheit kommen und somit keinen Anspruch auf die angestrebten Fördergelder haben.

Nachdem ich mich Donnerstag schon gedanklich von den Geldern verabschiedet habe, wollte Gunnar noch nicht aufgeben. Wenn die Zwischendecken das Problem sind, so würde die alte Paneelendecke im Flur die größe Schwachstelle darstellen. Das war tatsächlich nicht so unwahrscheinlich. Also klebten wir Samstag die komplette Decke provisorisch mit einer Folie ab:



Das war absolute Mistarbeit. Insbesondere, weil über der Treppe die Decke gute 5 Meter hoch ist… Als alles verklebt war, bauten wir das Messgerät auf und klebten alle Lüftungsöffnungen ab. Mal wieder…. Mittlerweile hasste ich es.

Hier der Hausherr beim Test und das niederschmetternde Ergebnis:



Die Messung ergab einen Wert von 2,0. Also eine unwesentliche Verbesserung. Gunnar war zwar enttäuscht, ich auch, aber so haben wir die letzte Möglichkeit, was zu tun, ausgeschlossen. Das lässt ruhiger schlafen. Die letzte Woche träumte ich schon von Luftdichtheit. :roll:

Realistisch betrachtet ist ein Wert von 2,1 für ein Haus mit Ursprungsbaujahr 1850 gar nicht mal schlecht. Im Neubau ohne Lüftungsanlage ist sogar nur ein Wert von 3 vorgeschrieben. Und da herrschen bessere Rahmenbedingungen als bei uns.

Allerdings heißt das, dass wir den Garten nicht aufwändig neu gestalten können. Da müssen wir wohl selber anpacken und alles nach und nach machen. Schade. Der Innenhof, der als Trost für den Garten herhalten sollte, ist auch auf Eis gelegt. Unser Pflasterer hat keine Zeit für uns. Ich mag es nicht, wenn es so stockt. Und gerade bei dem schönen Wetter ist es schade, dass der Innenhof immernoch nicht gemacht ist. Aber naja. Wird schon noch.

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1 comment to Ein Altbau bleibt ein Altbau…

  • Harald

    Hallo Ihr beiden Helden,
    ich denke auch nun ist genug. Ärgerlich wegen dem, nicht unerheblichen, Sück Kuchen welches in der wieteren Planung fehlt. Aber wie heißt es doch, man sollte die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren, oder noch einfacher: Aufwand und Nutzen sollten in einem gesunden Verhältnis stehen.
    Bevor Ihr jetzt anfangt, Euer wunderschönes Haus zu Zerstückeln und mühsam Fertiggestelltes wieder aufreisst, demontiert etc. nehmt es einfach als gegeben hin. Ich denke, die Freude und der Stolz über das Erreichte überstrahlt im Endeffekt die Enttäuschung über den vermaledeiten Blower Door Test. Schließlich wohnt Ihr in keiner Druckkammer sondern in einem in einem in Ehren alt gewordenen Haus welches Ihr zu neuem leben erweckt habt.

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